Oktober 9, 2012

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Floskeln statt Klartext: Synonyme im Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnisse sind eine komplizierte Sache. Auf den ersten Blick wirken die meisten sehr positiv, sind mit freundlichen Worten gespickt und sollen einem bei der Weitervermittlung im Beruf helfen. Doch zwischen den Zeilen und den „netten“ Formulierungen steckt oft mehr, als dem Empfänger bewusst ist.

Positiv ist nicht immer positiv

Grundsätzlich unterteilen Arbeitgeber die Arbeitszeugnisse in sechs Kategorien. Im ersten Teil steht das Verhalten des scheidenden Mitarbeiters. Und bereits hier liegen die ersten Stolperfallen, die meist nur erfahrene Personalmanager verstehen. Die Formulierung „er hat alle Aufgaben ordnungsgemäß erledigt“ ist nicht positiv zu sehen, sondern beschreibt den Mitarbeiter als Bürokrat und Pedant, der aus seinem Rahmen nicht ausbrechen kann. Als mangelhaft ist auch die Floskel „er erledigte die Aufgaben mit Fleiß und war stets bemüht, sie termingerecht zu erledigen“, zu verstehen. Das Wort „bemühen“ steht immer im negativen Kontext, da es für eine mangelnde Expertise steht. Auch die Formulierung „im Allgemeinen“ ist negativ behaftet, weil sie Abstriche in bestimmten Bereichen offenlegt.

Die zweite Kategorie eines Arbeitszeugnisses ist die Zufriedenheit des Arbeitgebers. „Seine Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden“, ist eine Aussage, die man problemlos stehen lassen kann. Es zeigt die Wertschätzung für die Arbeit. Anders sieht es schon bei der Formulierung „er hat unseren Erwartungen entsprochen“ aus. Diese ist negativ belastet und sollte vermieden werden. Personalmanager schauen nach solchen Begriffen und Synonymen und sortieren Bewerber fast direkt aus.

Wertschätzung – oder doch nicht?

Auch Führungskräfte sind von schlechten Arbeitszeugnissen nicht verschont. Denn auch die Qualität ihrer Mitarbeiterführung fließt in eine Abschlussbewertung mit ein. Wenn ein Vorgesetzter „anerkannt“ war, ist das eine positive Aussage. Es zeigt die Wertschätzung seines Führungsstils. Wenn man allerdings ein „verständnisvoller Vorgesetzter“ war, spricht das eher für eine Mitarbeiterführung, die dem Unternehmen nicht zugesprochen hat. Offensichtlich ist man zu weich mit den Angestellten umgegangen.

Die vierte Kategorie beschreibt den Fortbildungswillen des Mitarbeiters. Hier gibt es kaum negative Formulierungen. Angestellte, die an Weiterbildungen teilnehmen, sind vom Arbeitgeber anerkannt und ihr Wille zur beruflichen Verbesserung wird positiv aufgenommen. Aber neben der Weiterbildung gibt es noch weitere Bereiche, die sehr negativ behaftet sind. Dazu zählt vor allem der Umgang mit anderen Angestellten. Wer „für die Belange der Belegschaft Einfühlungsvermögen bewiesen hat“, wird von der Personalabteilung mit sexuellen Kontakten in Verbindung gebracht. Auch das Wort Geselligkeit ist nicht als Synonym für soziale Kompetenz zu verstehen, sondern beschreibt einen Mitarbeiter, der Akoholprobleme hat.

Abschied im Guten

Auch die Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses interessieren zukünftige Arbeitgeber. „Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr“ ist eine positive Formulierung, die zeigt, dass das Unternehmen wirklich traurig darüber ist, den Mitarbeiter zu verlieren. Wenn das „Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen“ endet, ist das ein Zeichen, dass es Probleme zwischen den Parteien gab. Die letzte Kategorie sind die Danksagungen und Zukunftswünsche. Ähnlich wie bei den Weiterbildungen finden sich hier kaum negative Aussagen. Selbst wenn man sich im Unguten getrennt hat, wird doch jeder Arbeitgeber darauf verzichten, dem scheidenden Mitarbeiter schlechte Wünsche mit auf den Weg zu geben. Und wenn einem dann „Viel Erfolg“ gewünscht wird, kann man das als ernst gemeinte Aussage ohne doppelten Boden aufnehmen.

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