Juli 23, 2013

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Synonyme aus dem Wahlkampf und was dahintersteckt

Katharina

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Viele Menschen fragen sich, was die Politiker ihnen mit ihren vielen, wortgewaltigen, bildhaften Aussagen eigentlich sagen wollen. Die Reden, die für die Politiker geschrieben werden, sind häufig schwer verständlich, beziehungsweise so formuliert, dass man ihnen nicht leicht folgen kann. Meist enthalten sie auch viele leere Floskeln und bedeuten gelegentlich wenig oder inhaltlich gar das Gegenteil von dem, was die Worte transportieren. Häufig sagt man deshalb auch, ein Politiker redet eine halbe Stunde und hat nichts gesagt. Aufgrund dieser Tatsachen ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung häufig sehr gering und man fühl sich getäuscht oder in die Irre geführt. Als kundiger Bürger sollte man wissen, was manche schwammigen Aussagen bedeuten, um auch wirklich zu verstehen, was die Politiker eigentlich sagen wollen.

Leere Floskeln

Politiker beginnen gerne mit der Floskel „liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Wer unter das „Mit“ fällt, bleibt dunkel, ebenso die Definition, worin sich „Bürger“ von „Mitbürgern“ unterscheiden. Das kann sich zu einer diskriminierenden Differenzierung auswachsen. Außerdem hat es „der kleine Mann“ auch schwer, wenn er ein Anliegen an einen gewissen Politiker hat. Bekommt er dann die Antwort: „Ich werden mich um ihr Anliegen persönlich kümmern“ dann kann er sicher sein, dass der Befragte eigentlich meint: „Mein Referent verfügt über eine hervorragende Sammlung von Musterbriefen“. Persönlich kümmert sich niemand um das Problem. Auch Aussagen wie „in aller Klarheit“ oder „in keinster Weise“ sind als Füllmaterial zu betrachten, mit dem der Politiker versucht, ultimativen Wahrheitsgehalt mit vielerlei Superlativen vorzugaukeln.

Beschönigung und Verschleierung

„Die Talfahrt der Wirtschaft verlangsamt sich“, sagt der für dieses Ressort zuständige Minister gelegentlich. Wenn sich eine schlechte Entwicklung verlangsamt, ist das wortlogisch etwas Erfreuliches. Für die Menschen, die davon betroffen sind, jedoch nicht. Sie verlieren weiterhin ihre Arbeitsplätze, die Existenzgrundlage bricht weg. Es gibt dann nur nicht mehr ganz so viele Menschen, die ein solches Schicksal erleiden. Denn es gilt sowieso der Grundsatz: „Die Bürger müssen mehr Eigenverantwortung übernehmen.“. Bei dieser Aussage könnte man eigentlich Positives denken, dass man zum Beispiel freier in seinen Entscheidungen ist und mehr selbst bestimmen kann, tatsächlich ist es jedoch (etwas überspitzt) zu verstehen als: „Ab seinem sechsten Lebensjahr ist jeder Deutsche für sich selbst verantwortlich.“

„Es existiert keine Alternative“, sagen Führungskräfte gerne, wenn sie nicht begründen können oder wollen, warum sie nur diese eine Möglichkeit in Betracht ziehen. Darin steckt schon sprachlich ein Missverständnis, denn eine Alternative enthält zwei Möglichkeiten. Inhaltlich bedeutet die Floskel, dass die anderen existierenden Vorgehensweisen nicht in den Blickpunkt rücken sollen – in der Regel zur Wahrung eigener Interessen. Und wenn ein Politiker dann sagt „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“, so kann man schon davon ausgehen, dass dem nicht so sein wird.

Völlig andere Bedeutung

Wenn man einen Politiker sagen hört „Wir werden einen möglichst breiten, gesellschaftlichen Dialog anstoßen und die Bürger so in den Entscheidungsprozess einbeziehen.“, dann könnte man meinen, dass die Bürger selbst bestimmen können und etwas zu entscheiden haben. Tatsächlich kann man aber davon ausgehen, dass die Entscheider in der Polit-Etage einfach „zu faul“ sind und eigentlich meinen: „Das Thema ist mir ziemlich egal, macht mal Basisdemokratie.“ – also im Prinzip eine völlig andere Bedeutung, als man meinen könnte. Ebenso ist es mit den Sparplänen oder Haushaltslöchern, denn wenn es heißt „Wir müssen sparen!“, dann ist eigentlich gemeint: „Ihr müsst sparen.“ Bei solchen Aussagen heißt es für die Politiker also wohl weiterhin: „Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie sind“, denn: „Freiwillig kommt ja keiner mit“ – und darüber müssen sie sich zum Teil auch nicht wundern.

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